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Steigende Strompreise: Was der Konflikt im Nahen Osten für Haushalte bedeutet

02.04.2026
Stromkosten im Blick: Stromrechnung und Laptop mit Strompreisvergleich auf einem Schreibtisch.Die Strompreise in Deutschland ziehen wieder an. Auslöser sind unter anderem die zuletzt deutlich gestiegenen Gaspreise infolge des Konflikts zwischen Iran und Israel sowie weiterer Spannungen im Nahen Osten. Für Haushalte bedeutet dies: Die Phase sinkender Strompreise, die vor allem durch einen milliardenschweren Zuschuss des Bundes zu den Netzentgelten ermöglicht wurde, ist vorerst beendet.

Der folgende Überblick zeigt, warum Strom wieder teurer wird, welche Rolle Gas- und Börsenpreise spielen und wie Sie Ihre Stromkosten dennoch im Blick behalten können.

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Warum teurere Gaspreise den Strom verteuern

Gas ist in Deutschland zwar nicht der wichtigste Energieträger zur Stromerzeugung, spielt aber an der Strombörse eine zentrale Rolle. Im Jahr 2025 stammte nur ein relativ kleiner Teil der Stromproduktion aus Gaskraftwerken. Dennoch können gerade diese Kraftwerke häufig den Preis an der Strombörse bestimmen. Hintergrund ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip.

Dabei werden Kraftwerke nach ihren Erzeugungskosten sortiert. Um die Nachfrage zu decken, werden so lange Kraftwerke zugeschaltet, bis der Bedarf gedeckt ist. Das Kraftwerk mit den höchsten noch benötigten Kosten setzt dabei den Börsenpreis für alle. Steigen die Gaspreise stark an, verteuern sich die Einsatzkosten der Gaskraftwerke und damit häufig auch der an der Börse gebildete Strompreis.

Seit Ausbruch der jüngsten Auseinandersetzungen im Iran und im Nahen Osten sind die Gaspreise wieder deutlich gestiegen. Stromlieferungen für die kommenden Monate haben sich an der Börse zeitweise um mehr als 20 Prozent verteuert. Dieser Anstieg schlägt sich nach und nach auch in den Tarifen für private Haushalte nieder.

Neukundentarife klettern spürbar nach oben

Am schnellsten zeigen sich solche Veränderungen bei den Angeboten für Neukundinnen und Neukunden. Diese Tarife werden von Energieversorgern in der Regel kurzfristig kalkuliert und häufiger angepasst als Bestandskundentarife.

Ein typischer Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von rund 4.000 Kilowattstunden (kWh) zahlte im Februar 2026 im bundesweiten Durchschnitt in einem günstigen Stromtarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie etwa 24 Cent pro Kilowattstunde. Inzwischen bewegen sich die günstigsten Angebote im Schnitt bei rund 28 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht einem Preisanstieg von knapp 16 Prozent innerhalb weniger Wochen.

Diese Entwicklung bedeutet: Das allgemeine Preisniveau für Neuabschlüsse liegt wieder auf einem ähnlichen Stand wie im Herbst 2025 – also kurz bevor der staatliche Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten zu deutlich spürbaren Entlastungen geführt hatte.

Staatlicher Milliardenzuschuss verpufft weitgehend

Um Haushalte und Unternehmen zu entlasten, hatte der Bund für das Jahr 2026 mehrere Milliarden Euro bereitgestellt, um die Übertragungsnetzentgelte zu senken. Diese Netzentgelte sind ein fester Bestandteil des Strompreises und werden über die Stromrechnung an die Kundinnen und Kunden weitergegeben.

Durch diesen Zuschuss konnten die Strompreise in Deutschland im Herbst 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 wieder in etwa das Niveau von vor der Energiekrise 2022 erreichen. Viele günstige Neukundentarife fielen damals deutlich unter 30 Cent je Kilowattstunde, was für viele Haushalte eine spürbare Entlastung bedeutete.

Die jüngsten Anstiege an der Strombörse haben diesen Effekt jedoch weitgehend aufgezehrt. Trotz des weiterhin wirksamen Zuschusses liegen viele Tarife heute wieder auf einem Preisniveau, das dem Stand vor Beginn der Entlastungswirkung entspricht. Anders gesagt: Die staatliche Förderung wirkt nur noch als Dämpfer – sie verhindert stärkere Preissprünge, kann die aktuelle Verteuerung aber nicht vollständig ausgleichen.

Unterschiedliche Preisniveaus: Grundversorgung und Alternativtarife

In der aktuellen Situation lohnt sich ein genauer Blick auf den eigenen Stromtarif. Denn die Preisunterschiede zwischen der örtlichen Grundversorgung und alternativen Angeboten sind weiterhin erheblich.

Der Grundversorger ist das Unternehmen, das in einer Region standardmäßig für die Energieversorgung zuständig ist. Wer nie aktiv einen Stromvertrag abgeschlossen oder den Anbieter gewechselt hat, ist in der Regel dort Kunde oder Kundin. Die Tarife in der Grundversorgung liegen häufig über dem Niveau günstiger Alternativangebote.

Beispielhaft lässt sich dies an einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden verdeutlichen:

  • In vielen Regionen liegt der durchschnittliche Arbeitspreis in der Grundversorgung derzeit bei etwa 40 Cent pro Kilowattstunde. Das ergibt jährliche Stromkosten von rund 1.600 Euro.
  • Günstige Angebote mit Preisgarantie bewegen sich im bundesweiten Durchschnitt aktuell bei rund 28 Cent je Kilowattstunde. Bei gleicher Abnahmemenge ergeben sich so Stromkosten von etwa 1.120 Euro pro Jahr.

Zwischen einem teuren Grundversorgungstarif und einem günstigen Alternativtarif kann die Ersparnis somit bei fast 500 Euro im Jahr liegen – trotz der jüngsten Preissteigerungen an der Strombörse.

Warum Bestandskundinnen und -kunden zunächst weniger betroffen sind

Während die Preise für Neukundenangebote meist rasch auf Veränderungen an den Energiemärkten reagieren, erfolgt die Anpassung für Bestandskundinnen und -kunden langsamer. Viele laufende Verträge beinhalten Preisgarantien für bestimmte Zeiträume oder sehen längere Kündigungsfristen vor.

In der Folge zahlen Bestandskunden häufig zunächst weiter die bisherigen Preise, die allerdings nicht immer besonders günstig sind. Vor allem ältere Verträge, die in der Hochphase der Energiekrise abgeschlossen wurden, liegen zum Teil deutlich über dem aktuellen Niveau neuer Angebote.

Bleiben die Großhandelspreise für Gas und Strom jedoch auf hohem Niveau, ist mittelfristig auch mit weiteren Anpassungen für bestehende Verträge zu rechnen. Energieversorger kündigen dann häufig Preiserhöhungen an, die nach den gesetzlichen Vorgaben mit angemessener Frist mitgeteilt werden müssen.

Preisgarantie: Absicherung gegen weitere Steigerungen

Viele Stromtarife beinhalten eine sogenannte Preisgarantie. Sie legt fest, dass die wesentlichen Preisbestandteile – wie Energiepreis, Netzentgelte und bestimmte Umlagen – für einen festgelegten Zeitraum nicht erhöht werden. Abgaben und Steuern können in der Regel ausgenommen sein.

In Phasen steigender Großhandelspreise kann eine Preisgarantie eine gewisse Planungssicherheit bieten. Wer jetzt einen Vertrag mit Preisgarantie über zwölf oder sogar 24 Monate abschließt, sichert sich den aktuellen Preis für die gesamte Laufzeit und ist vor weiteren Anhebungen in diesem Zeitraum geschützt.

Im Gegenzug besteht das Risiko, dass ein solcher Tarif weniger attraktiv ist, falls die Energiepreise wieder sinken sollten. Daher empfiehlt es sich, neben der Garantie auch die Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen zu prüfen, um flexibel zu bleiben.

Welche Faktoren Ihren Strompreis bestimmen

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  • Energiekosten: Diese spiegeln vor allem die Beschaffungskosten an der Strombörse wider. Hier wirken sich internationale Konflikte, Gaspreise und die allgemeine Marktlage besonders stark aus.
  • Netzentgelte: Sie werden für den Betrieb und Ausbau der Stromnetze erhoben. Die Entlastung durch den staatlichen Zuschuss griff genau an dieser Stelle.
  • Steuern, Umlagen und Abgaben: Dazu zählen unter anderem die Stromsteuer und verschiedene gesetzlich festgelegte Umlagen.
  • Vertrieb und Service: In diesem Anteil sind die Kosten des Energieversorgers für Verwaltung, Kundenservice und Vertrieb enthalten.

Verändert sich einer dieser Bestandteile, kann sich der Gesamtpreis auf Ihrer Stromrechnung erhöhen oder verringern. Stark schwankende Großhandelspreise, wie sie infolge der Entwicklungen im Nahen Osten zu beobachten sind, wirken daher oft unmittelbar auf den Endkundenpreis.

Worauf Haushalte jetzt achten können

Auch wenn die Spielräume begrenzt sind, gibt es einige Ansatzpunkte, um die eigenen Stromkosten in einer Phase steigender Preise zu begrenzen:

  • 1. Eigene Vertragsunterlagen prüfen
    Ein Blick in die letzte Jahresabrechnung zeigt, welchen Arbeitspreis pro Kilowattstunde und welchen Grundpreis Sie aktuell zahlen. So lässt sich einschätzen, ob Ihr Tarif eher im günstigen oder im teuren Bereich liegt.
  • 2. Preisvergleich nutzen
    Online-Vergleichsrechner für Stromtarife geben einen schnellen Überblick über verfügbare Angebote am eigenen Wohnort. Wichtig ist, neben dem reinen Preis auch auf Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist, Preisgarantien und Boni zu achten.
  • 3. Wechselmöglichkeiten frühzeitig einplanen
    Viele Anbieter ermöglichen es, bereits Monate im Voraus einen neuen Tarif zu vereinbaren. Dadurch kann ein aktuell günstiges Preisniveau für einen späteren Lieferbeginn gesichert werden.
  • 4. Verbrauch langfristig senken
    Effiziente Elektrogeräte, Verhaltensänderungen im Alltag und gezielte Energiesparmaßnahmen reduzieren den Stromverbrauch. Schon kleine Einsparungen pro Kilowattstunde machen sich bei höheren Preisen deutlich stärker bemerkbar.
  • 5. Informationen zur Marktentwicklung verfolgen
    Wer die Entwicklung der Energiepreise im Blick behält, kann besser einschätzen, ob ein schneller Vertragswechsel sinnvoll ist oder ob es ratsam ist, eine Entscheidung abzuwarten.

Risiken und Unsicherheiten bleiben

Die Energiepreise sind derzeit stark von geopolitischen Entwicklungen abhängig. Der Konflikt im Nahen Osten, mögliche Einschränkungen bei Gaslieferungen und die allgemeine Lage an den Rohstoffmärkten sorgen für eine hohe Unsicherheit.

Hinzu kommen langfristige Veränderungen im Stromsystem, etwa der Ausbau erneuerbarer Energien, der Rückbau konventioneller Kraftwerke und der steigende Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen.

Wie sich die Strompreise in den kommenden Monaten und Jahren konkret entwickeln, lässt sich daher nicht verlässlich vorhersagen. Klar ist jedoch: Je stärker die Großhandelspreise schwanken, desto wichtiger wird es für Verbraucherinnen und Verbraucher, den eigenen Tarif zu kennen, Angebote zu vergleichen und die persönlichen Möglichkeiten zur Kostensenkung zu nutzen.

Fazit: Strompreise unter Druck – Handlungsoptionen prüfen

Die jüngsten Preissteigerungen zeigen, wie stark die Stromkosten in Deutschland von internationalen Ereignissen beeinflusst werden. Der staatliche Milliardenzuschuss zu den Netzentgelten hat die Belastung für Haushalte zwar zeitweise deutlich reduziert, wird nun aber durch die höheren Beschaffungskosten weitgehend aufgebraucht.

Haushalte, die ihren Stromtarif schon länger nicht mehr überprüft haben, können von einem Vergleich und gegebenenfalls einem Wechsel profitieren – trotz gestiegener Neukundenpreise. Preisgarantien und eine durchdachte Tarifwahl können helfen, das Risiko weiterer Erhöhungen zu begrenzen.

Gleichzeitig bleibt ein bewusster Umgang mit Energie ein wichtiger Baustein, um die eigenen Stromkosten auch in einem angespannten Marktumfeld möglichst stabil zu halten.

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