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Leichte Entspannung für Verbraucher bei Strom im Juli – aber die Marktpreise steigen weiter

04.08.2022
Strom Marktpreise steigen weiterWer im Juli allein die aktuellen Entwicklungen der Strompreise verfolgte, könnte auf den Gedanken kommen, dass die Krise auf dem Energiemarkt weniger gravierend ist, als es in Medien seit inzwischen Monaten berichtet wird. Wie so oft aber ist dieser kurzfristige Eindruck trügerisch. Richtig ist: Im Durchschnitt lag der Preis je Megawattstunde an der Strombörse bis Ende Juli (genauer gesagt zum Stichtag 29.07.2022) bei 302 Euro. Dieser Durchschnittswert ist jedoch nur vordergründig ein Grund zur Freude. Lässt man den durchschnittlichen Kurs außer Acht und berücksichtigt für die Analyse die neuesten Bewegungen der Preise, präsentiert sich ein anderes Bild.

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Kein Ende der steigenden Börsenpreise für Strom in Sicht

Am 28. Juli des laufenden Jahres nämlich kostete eine Megawattstunde bereits rund 474 Euro. Damit erreichte das Preisniveau an der Börse einen neuen Höchststand. Um zu verstehen, wie ernst die Lage – übrigens sowohl für Versorger als auch Endkunden – tatsächlich ist, lohnt sich ein Vergleich mit den Daten aus dem Vorjahr. So lag der Preis pro Megawattstunde im Juli des Jahres 2021 gut 80 Euro. Somit hat sich der Preis gemessen am aktuellen Durchschnitt fast vervierfacht. Dass dieser Trend eher früher als später auch bei den deutschen Haushalten ankommen würde, war absehbar. Auch der Gesetzgeber hat inzwischen auch die Marktentwicklungen reagiert. Im Rahmen des Entlastungspaketes können Energieversorger spätestens ab dem Herbst höhere Kosten an ihre Kundschaft weitergeben. Verbraucher dürfen ihrerseits auf weitere Maßnahmen hoffen.

Der Bund will nicht nur bei Anbietern wegen höherer Beschaffungskosten für Entlastung sorgen. Auch Haushalte könnten schon bald in den Genuss weiterer Zuschüsse kommen, um den steigenden Lebenshaltungskosten nicht machtlos gegenüberzustehen.

Preisrückgang im Juli war ein kurzer Trend auf dem Markt

Einstweilen aber drohen ohne weitere staatliche Pläne deutlich höhere Kosten für Strom und Gas. Das nach wie vor erkennbare Rekordniveau der Strompreise bleibt trotz eines leichten Rückgangs im Juli gegenüber dem Vormonat erhalten. Ein normaler Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5.000 Kilowattstunden (kWh) zahlte zuletzt aufs Jahr gerechnet durchschnittlich 1.949 Euro für Strom. Es war das erste Mal seit Ende 2021, dass die Ausgaben unter der Grenze von 2.000 Euro lagen. Im Juli 2021 wiederum lagen die Stromkosten bei nur 1.525 Euro. Dies entspricht einem Plus von 28 Prozent. In den kommenden Monaten aber dürfte sich die Situation noch deutlich verschlechtern.

Über 100 Stromgrundversorger bitten Endkunden stärker zur Kasse

Denn nun melden sich abermals zahlreiche deutsche Grundversorger zu Wort. Sage und schreibe 106 Grundversorger haben entweder bereits für den August, spätestens aber ab September Preiserhöhungen angekündigt. Adressiert sind dabei laut Experten etwa 1,9 Millionen deutsche Haushalte. Solche schlechten Nachrichten vonseiten ihrer Grundversorger für Strom kennen viel Verbraucher aus dem Vorjahr. Zum Jahresende 2021 hatte eine vierstellige Gruppe Stromgrundversorger Preisanhebungen bekannt gegeben. Die nächste Anpassungswelle folgte kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine. Damals waren es über 820 Anbieter, die Preise entweder umgehend erhöhten oder einen solchen Schritt ankündigten. Betroffen waren von diesen Schritten gut 7,8 Millionen deutsche Haushalte. Sie zahlen seitdem durchschnittlich 20,7 Prozent mehr für Strom.

Grundversorger geben Preisrekorde ab dem Spätsommer an Verbraucher weiter

Im kommenden September trifft es Verbraucher jetzt noch härter. Der oben erwähnte Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh Stunden muss dann eine Mehrbelastung von durchschnittlich 347 Euro (+ 49 %) hinnehmen. Die Anfang Juli 2022 abgeschaffte EEG-Umlage und die damit verbundene Pflicht zur Weitergabe der Ersparnis an Endkunden kann einen solchen Anstieg freilich nicht abfangen. Im Gespräch sind derzeit unter anderem zwei mögliche Ansätze zur Verbraucherentlastung. Denkbar wäre zum einen eine erneute vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent, wie sie der Staat bereits während der Pandemie zur Stabilisierung der Wirtschaft vorgenommen hatte. Auch könnte die staatliche Stromsteuer zeitweise auf 1,0 Cent (bisher 2,05 Cent) pro Kilowattstunde gesenkt werden. Zunächst aber wird für eine Vielzahl der Haushalte kein Weg an enorm steigenden Strompreisen vorbeiführen.

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