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EWE-Vorstandschef warnt für Preisschock – Umfrage bestätigt den Ernst der Lage

11.07.2022
EWE Chef Warnung vor Preisschock bei EnergieDie deutsche Bundesregierung lässt seit Beginn des Krieges in der Ukraine nichts unversucht, um die Energielager zu füllen und für eine sichere Versorgungslage bis weit ins neue Jahr zu sorgen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und vor allem Diskussionen über die Lieferung von Flüssiggas (LNG) aus dem arabischen Emirat zeichnet sich allmählich eine Besserung der Situation ab. Stefan Dohler, seines Zeichens Vorstandschef beim Oldenburger Versorger EWE AG, verweist in neuesten Interviews beispielsweise darauf, die deutschen Gasspeicher hätten inzwischen im Schnitt etwa einen Füllstand von 63 Prozent erreicht. Das Dilemma: Ausreichend sei dieser Wert nicht. Spätestens zum Beginn des Monats Dezember müsste die Speicher idealerweise zu 90 Prozent gefüllt sein, um gut über den Winter zu kommen. Nicht nur Dohler warnt dieser Tage vor einem regelrechten Preisschock, sollte Russland rund um die laufenden Wartungsarbeiten der Pipeline North Stream 1 die Gunst der Stunde nutzen und seine Lieferungen von Gas vollends einstellen.

Undenkbar ist dies nicht. Doch selbst, wenn dies nicht passieren sollte: Neue Umfragen bestätigen, dass die Folgen des Kriegs bezüglich des Energiesektors längst bei vielen Verbrauchern angekommen ist. Dies verdeutlicht unter anderem eine aktuelle Umfrage des Portals Verivox.

Deutliche Empfehlung: Verbraucher sollten schnell Reserven aufbauen

EWE-Vorstandschef Dohler rät Kundinnen und Kunden nicht ohne Grund, schon jetzt Rücklagen zu bilden und vor allem auch bisherige Monatsabschläge in Eigeninitiative nach oben zu korrigieren. Ab dem Herbst, so der Konzernchef, könnte es insbesondere für Haushalte mit geringerem Einkommen eng und teuer werden. Und zwar richtig teuer. Ein drohender Preisschock könnte dem Branchenkenner zufolge für einen Haushalt mit vier Personen schon bald zu monatlichen Mehrkosten für Gas und Strom in Höhe von bis zu 300 Euro im Vergleich zur Vorkriegszeit und dem Beginn der Energiekrise führen. Dass sich die Prognose sowohl auf Gas und Strom bezieht, dürfte für viele Haushalte ein schwacher Trost sein. Signale für eine baldige Entspannung jedenfalls sieht der EWE-Vorstandsvorsitzende nicht. Vielmehr sei von schlimmstenfalls von bis zu drei schweren Wintern auszugehen.

Experten raten Verbrauchern dringend zur Anhebung von Energieabschlägen

Durch selbst gewählte Abschlagsaufstockungen könnten Verbraucher Nachzahlungen in vierstelliger auf einen Schlag vermeiden. Die Empfehlung: Strom-Abschläge sollten verdoppelt, Gas-Vorauszahlungen gar um den Faktor drei erhöht werden. Eine Weitergabe der dramatisch gestiegenen Energiekosten im Einkauf – darin sind sich die meisten Experten inzwischen einig – wird nicht lange auf sich warten lassen. Der Konzern EWE teilte mit, derzeit gut 170 Euro pro Megawattstunde Gas (gegenüber etwa 20 Euro im Vorjahr) zahlen zu müssen. Bei einer Megawattstunde Strom fällt der Trend nicht minder gravierend aus. Nach 55 Euro in 2021 liege der Einkaufspreis mittlerweile bei 360 Euro. Dass der Staat durch eine Korrektur des Energiesicherungsgesetzes den Weg für die Weitergabe „brutaler Preissteigerungen“ an Endkunden freimachen wird, besteht für Dohler kein Zweifel. Verbraucher täten gut daran, so schnell wie möglich den eigenen Energieverbrauch zu senken.

Schon jetzt steigen die Nachforderungen vieler Versorger rasant

Die aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstitutes Innofact aus dem Juni 2022 bestätigt, dass immer mehr Versorger ihre Preise anpassen. Die online im Auftrag des Vergleichsportals befragten 1.006 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren bestätigen den Trend. Allerdings: Bisher scheinen die hohen Gaspreise eher langsam bei Verbrauchern anzukommen. Jede/r TeilnehmerIn gab an, eine frühzeitige Jahresabrechnung für die Gaslieferung erhalten zu haben. Die Höhe der Abrechnungen hat es jedoch schon jetzt in sich. Von den Empfängern der Rechnungen mussten gut 50 Prozent Nachzahlungen von durchschnittlich 227 Euro leisten. 36 Prozent, so die Auswertung der Verivox-Experten stehen vor dem Problem, dass der monatliche Abschluss für die kommende Heizperiode um durchschnittlich 52 Prozent bzw. 52 Euro angehoben wurde. Für die deutschen Gaspreise ermittelte das Portal ein Durchschnitts-Plus von sage und schreibe 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kritische Situation könnte bis 2024 zur Belastungsprobe werden

Wirklich kritisch dürfte es für Endkunden angesichts der Marktentwicklungen dann 2023 und 2024 werden. Dann nämlich könnte das volle Ausmaß der Energiekrise die Haushalte erreichen. Für Thorsten Storck, Energieexperte im Hause Verivox, ist diese Erwartung Grund genug, Verbraucher ebenfalls zu frühzeitigen Sparmaßnahmen aufzurufen und höhere Abschläge in Betracht zu ziehen. Für viele Haushalte könnte dies indes nur schwer möglich sein. 83 Prozent der Umfrageteilnehmer jedenfalls gaben an, die Veränderungen bereits in der Haushaltskasse zu spüren. Für 46,5 Prozent der Befragten führt die Entwicklung im Energiesektor zur Notwendigkeit, in anderen Bereichen Einsparungen vornehmen zu müssen. Zugleich äußerten elf Prozent der Teilnehmer der Erhebung, etwaige zusätzliche Energieausgaben momentan noch nicht absehen zu können. Der Anteil derer, denen der Kostenanstieg nach eigener Aussage keine wirtschaftlichen Probleme bereitet, fiel in der Befragung mit sechs Prozent überschaubar aus.

Empfänger von Jahresendabrechnungen sorgen verstärkt vor

Den Ernst der Lage haben laut Verivox 58 Prozent der noch nicht von einer Jahresendabrechnung „heimgesuchten“ Teilnehmer der repräsentativen Umfrage erkannt. Sie gaben an, im Schnitt 347 Euro zurückgelegt zu haben, um auf eine drohende Nachforderung vorbereitet zu sein. Doch selbst für alle Verbraucher und Haushalte, die früh mit der Bildung von Rücklagen begonnen haben, stellt sich die Frage, bis zu welchem Grad sie zukünftige Preisanhebungen ausgleichen können. Die Forderungen an den Bund zu weiteren Entlastungen für Endkunden und Versorger dürften deshalb in naher Zukunft noch deutlich lauter werden.

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