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Warum viele Haushalte zu viel für Strom und Gas zahlen

23.06.2026
Person prüft Strom- und Gasrechnung am Küchentisch und vergleicht Energietarife auf dem LaptopStrom und Gas gehören zu den größten laufenden Kosten im Haushalt. Gleichzeitig haben Verbraucherinnen und Verbraucher seit vielen Jahren die Möglichkeit, ihren Energieversorger frei zu wählen. Trotz dieser Wahlfreiheit bleiben zahlreiche Haushalte in teuren Tarifen – häufig in der Grundversorgung oder in wenig wettbewerbsfähigen Laufzeitverträgen des örtlichen Versorgers. Die Folge: Es werden jedes Jahr Milliardenbeträge zu viel für Energie ausgegeben, die sich durch einen Tarifwechsel einsparen ließen.

Der Blick auf aktuelle Strom- und Gaspreise zeigt, dass sich ein genauer Vergleich der Angebote lohnt. Schon wenige Cent Unterschied pro Kilowattstunde wirken sich bei typischen Jahresverbräuchen erheblich auf die Gesamtkosten aus. Wer seine Verträge regelmäßig überprüft, kann die eigene Haushaltskasse deutlich entlasten.

Grundversorgung: Bequem, aber oft deutlich teurer

Die sogenannte Grundversorgung ist der Standardtarif des örtlichen Energieversorgers. In diesen Tarif rutschen viele Kundinnen und Kunden automatisch hinein – zum Beispiel beim Einzug in eine neue Wohnung oder beim Hausbau, wenn kein anderer Vertrag abgeschlossen wird. Der große Vorteil: Der Tarif steht allen Haushalten offen und kann in der Regel kurzfristig gekündigt werden. Das sorgt für eine hohe Versorgungssicherheit und Flexibilität.

Dem gegenüber steht allerdings ein wesentlicher Nachteil: Die Grundversorgungstarife sind im Durchschnitt deutlich teurer als marktweit verfügbare Alternativangebote. Beim Strom liegt der Preisunterschied zwischen Grundversorgung und besonders günstigen Tarifen häufig im Bereich von rund 16 Cent je Kilowattstunde. Bei einem Haushalt mit mehreren tausend Kilowattstunden Jahresverbrauch summieren sich diese Mehrkosten schnell auf mehrere Hundert Euro pro Jahr.

Auch bei Gas ist das Bild ähnlich: Der bundesweite Durchschnittspreis in der Grundversorgung liegt deutlich über den günstigsten am Markt erhältlichen Gastarifen. Ein Plus von etwa 4 Cent pro Kilowattstunde ist keine Seltenheit. Für Haushalte mit Gasheizung und entsprechend hohem Verbrauch ergeben sich daraus schnell drei- bis vierstellige Mehrkosten im Jahr.

Laufzeitverträge beim örtlichen Versorger: nicht immer die beste Wahl

Neben der Grundversorgung bieten viele örtliche Energieversorger Laufzeitverträge an, die auf den ersten Blick etwas günstiger erscheinen. Ein großer Teil der Haushalte entscheidet sich für solche Tarife – oft aus Gewohnheit oder weil der Anbieter bereits bekannt ist. Doch auch hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Beim Strom ergibt sich zwischen den günstigsten verfügbaren Tarifen des örtlichen Versorgers und den preiswertesten Angeboten am gesamten Markt im Durchschnitt immer noch eine deutliche Preisdifferenz: Häufig beträgt sie etwa 8 Cent pro Kilowattstunde. Wer also im vertrauten Laufzeitvertrag bleibt, verschenkt unter Umständen Jahr für Jahr spürbares Sparpotenzial.

Im Gasbereich zeigt sich ein ähnliches Bild. Die besten Laufzeitangebote der örtlichen Gasversorger liegen im Durchschnitt noch rund 2 Cent pro Kilowattstunde über den günstigsten Alternativtarifen. Bei typischen Gasverbräuchen von 15.000 bis 20.000 Kilowattstunden im Jahr kann dies mehrere Hundert Euro Mehrkosten bedeuten.

Milliardenpotenzial: Was der Wechsel auf Haushaltsebene bedeuten kann

Hochrechnungen auf Basis bundesweiter Durchschnittswerte machen deutlich, wie groß das Einsparpotenzial in der Summe ist. Bleiben Millionen Haushalte in der Grundversorgung oder in vergleichsweise teuren Laufzeitverträgen, kommen selbst bei moderaten Preisunterschieden schnell Milliardenbeträge zusammen, die unnötig gezahlt werden.

Für das erste Halbjahr 2026 ergibt sich ein geschätztes Einsparvolumen von insgesamt rund 5,4 Milliarden Euro, das private Haushalte hätten vermeiden können. Davon entfallen etwa 3,5 Milliarden Euro auf Strom und rund 1,9 Milliarden Euro auf Gas. Diese Beträge sind natürlich Durchschnittswerte und dienen vor allem zur Veranschaulichung der Dimension – sie zeigen aber deutlich, dass es sich lohnt, die eigenen Energiekosten regelmäßig zu hinterfragen.

Für den einzelnen Haushalt kann ein Wechsel aus der Grundversorgung oder aus einem teuren Laufzeitvertrag in einen günstigen Tarif mit Preisgarantie typischerweise mehrere Hundert Euro pro Jahr einsparen. Beispielrechnungen mit realistischen Verbräuchen kommen etwa auf über 600 Euro Ersparnis beim Strom und annähernd 700 Euro beim Gas – je nach Region, Verbrauch und Tarifstruktur.

Warum viele Haushalte dennoch nicht wechseln

Trotz der möglichen Einsparungen zögern viele Verbraucherinnen und Verbraucher, ihren Energieversorger zu wechseln. Die Gründe sind vielfältig:

  • Bequemlichkeit und Gewohnheit: Wer seit Jahren beim gleichen Versorger ist, beschäftigt sich ungern mit Tarifdetails.
  • Unsicherheit beim Anbieterwechsel: Viele fürchten, durch den Wechsel könne es zu Versorgungsunterbrechungen kommen.
  • Unübersichtlicher Markt: Die Vielzahl an Angeboten und Tarifoptionen wirkt auf manche Menschen abschreckend.
  • Vertrauen in den örtlichen Versorger: Der regionale Anbieter wird häufig als besonders zuverlässig wahrgenommen.

Tatsächlich sind viele dieser Bedenken unbegründet. Der Gesetzgeber sichert die unterbrechungsfreie Strom- und Gasversorgung ab. Fällt ein Anbieter aus oder kommt es zu Problemen beim Wechsel, springt automatisch ein Ersatzversorger ein. Technische Umrüstungen im Haushalt sind beim Lieferantenwechsel in der Regel nicht erforderlich, da die vorhandene Infrastruktur genutzt wird.

Wie ein Anbieterwechsel in der Praxis abläuft

Ein Wechsel des Strom- oder Gasanbieters ist heutzutage in wenigen Schritten möglich und mit überschaubarem Aufwand verbunden:

  • Verbrauch kennen: Zunächst sollte der eigene Jahresverbrauch bekannt sein. Er findet sich auf der letzten Jahresabrechnung oder im Kundenportal des bisherigen Versorgers.
  • Tarife vergleichen: Auf dieser Basis lassen sich unterschiedliche Energieangebote vergleichen – etwa nach Arbeitspreis pro Kilowattstunde, Grundpreis, Vertragslaufzeit und Preisgarantie.
  • Neuen Tarif auswählen: Wer sich für ein Angebot entscheidet, schließt direkt einen Vertrag mit dem neuen Energieversorger ab. In der Regel wird dabei auch die gewünschte Lieferbeginn-Zeit angegeben.
  • Kündigung des Altvertrags: Im Normalfall übernimmt der neue Anbieter die Kündigung des bisherigen Vertrages, sofern keine Sonderkündigungsfristen beachtet werden müssen.
  • Nahtloser Übergang: Die Belieferung mit Strom und Gas läuft ohne Unterbrechung weiter. Es wird lediglich der abrechnende Versorger ausgetauscht.

Für Haushalte in der Grundversorgung ist der Wechsel besonders unkompliziert, da die Kündigungsfristen hier meist kurz sind. Wer hingegen einen Laufzeitvertrag hat, sollte auf die Mindestvertragslaufzeit und Kündigungsfristen achten, um rechtzeitig wechseln zu können.

Wichtige Kriterien bei der Tarifwahl

Damit ein neuer Energievertrag nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu den eigenen Bedürfnissen passt, sollten einige zentrale Punkte berücksichtigt werden:

  • Preisniveau: Maßgeblich sind Arbeitspreis (pro Kilowattstunde) und Grundpreis. Beide Bestandteile bestimmen gemeinsam die jährlichen Gesamtkosten.
  • Preisgarantie: Eine Preisgarantie schützt vor bestimmten Preissteigerungen während der Vertragslaufzeit. Je länger die Garantie, desto besser lässt sich planen.
  • Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist: Kürzere Laufzeiten und moderate Kündigungsfristen sorgen für mehr Flexibilität, um bei Bedarf erneut zu wechseln.
  • Zahlungsmodalitäten: Abschlagszahlungen, mögliche Boni und deren Bedingungen sollten transparent und nachvollziehbar sein.
  • Seriosität des Anbieters: Bewertungen, Unternehmenshistorie und Serviceerreichbarkeit können Hinweise auf die Zuverlässigkeit geben.

Es ist sinnvoll, nicht nur auf den beworbenen Monatspreis zu achten, sondern die Gesamtkosten eines Jahres zu betrachten. Einmalige Boni können den Eindruck eines günstigen Tarifs verzerren, wenn der reguläre Preis vergleichsweise hoch ist.

Strom und Gas im Blick behalten: Regelmäßige Überprüfung lohnt sich

Energiepreise entwickeln sich dynamisch. Politische Rahmenbedingungen, Beschaffungskosten, Netzentgelte und Steuern beeinflussen die Endkundenpreise. Deshalb empfiehlt es sich, Strom- und Gasverträge regelmäßig zu prüfen – etwa einmal im Jahr oder spätestens zum Ende der Vertragslaufzeit.

Wer seinen Tarif im Blick behält, kann rechtzeitig reagieren, wenn sich die Konditionen verschlechtern oder günstigere Alternativen verfügbar werden. Auch nach Preiserhöhungen steht Kundinnen und Kunden häufig ein Sonderkündigungsrecht zu, das einen vorzeitigen Wechsel ermöglicht. Hier sollten die jeweiligen Vertragsbedingungen sorgfältig gelesen werden.

Allgemeine Hinweise für Verbraucher

  • Es handelt sich bei den genannten Zahlen um Durchschnittswerte und Beispielrechnungen; die individuelle Ersparnis hängt von Verbrauch, Wohnort und Tarifstruktur ab.
  • Ein Anbieterwechsel ist in der Regel mit geringem Aufwand verbunden und geht ohne Unterbrechung der Versorgung einher.
  • Wer Tarife vergleicht, sollte sich nicht allein auf Werbeaussagen verlassen, sondern alle Vertragsbedingungen prüfen.
  • Die in diesem Text beschriebenen Hinweise ersetzen keine individuelle rechtliche oder finanzielle Beratung, sondern dienen der allgemeinen Orientierung zum Thema Energieversorgung und Tarifwechsel.

Durch einen bewussten Umgang mit bestehenden Strom- und Gasverträgen können Verbraucherinnen und Verbraucher einen wichtigen Beitrag zur Entlastung ihres Haushaltsbudgets leisten – ohne auf Versorgungssicherheit verzichten zu müssen.

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