Deutschland gehört laut einer Verivox-Auswertung zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen für Privathaushalte. Grundlage ist ein internationaler Preisvergleich für das zweite Quartal 2026. Für Ihre Stromrechnung ist der vierte Platz jedoch nur eine grobe Einordnung: Entscheidend sind Ihr Verbrauch und die Konditionen Ihres Vertrags.
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Inhaltsverzeichnis
Was der vierte Platz tatsächlich misst
Verivox nennt für Deutschland einen durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 35,6 Cent je Kilowattstunde und damit Rang vier im untersuchten Weltvergleich. Die Auswertung beruht auf Daten des Dienstes GlobalPetrolPrices. Dessen Vergleichspreise enthalten neben der Energie auch Netzkosten, Steuern und weitere Abgaben.
Ein weltweiter Rangplatz sagt wenig darüber aus, ob Ihr eigener Stromvertrag teuer ist. Verglichen werden nationale Durchschnittswerte in einer gemeinsamen Währung. Regionale Preise, unterschiedliche Verbrauchsmengen und individuelle Verträge gehen dabei nicht als persönliche Rechnung ein. Auch darüber, wie stark Stromkosten ein Haushalt gemessen an seinem Einkommen belasten, entscheidet ein nominaler Preisvergleich nicht. Der internationale Vergleich bildet keine einzelne Jahresrechnung eines Haushalts ab.
Warum Destatis einen anderen Preis ausweist
Das Statistische Bundesamt beziffert den durchschnittlich gezahlten Strompreis privater Haushalte für das zweite Halbjahr 2025 auf 40,55 Cent je Kilowattstunde. Das ist mehr als der von Verivox für das zweite Quartal 2026 genannte Vergleichswert. Wer beide Werte direkt voneinander abzieht, verwechselt Erhebungsmethode und Zeitraum.
Destatis erhebt Verkaufspreise von Energieversorgern und berücksichtigt dabei sowohl bestehende als auch neue Verträge sowie verschiedene Verbrauchsgruppen. Der internationale Vergleich verwendet eine andere Berechnungsgrundlage. Die beiden Zahlen beschreiben deshalb nicht dieselbe Menge von Stromverträgen zum selben Zeitpunkt.
Für die Haushaltskasse zählt der Jahresbetrag
Für Ihren Haushalt zählt der Gesamtbetrag aus Verbrauch, Arbeitspreis und festem Grundpreis. Der Arbeitspreis fällt für jede verbrauchte Kilowattstunde an; der Grundpreis ist unabhängig vom Verbrauch zu zahlen. Ein niedriger Arbeitspreis allein macht ein Angebot daher noch nicht günstig.
Zum Strompreis gehören außerdem unter anderem Kosten für die Netznutzung. Die regionale Netznutzung lässt sich durch einen Anbieterwechsel nicht abschaffen. Lieferanten können dennoch unterschiedliche Gesamtpreise anbieten. Erläuterungen zu einem möglichen Kostenfaktor im kommenden Jahr finden Sie im Beitrag über Netzentgelte und Strompreise 2027.
Tarife vergleichen, ohne eine Ersparnis vorauszusetzen
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Vertrag zu teuer ist, nehmen Sie Ihre letzte Jahresrechnung als Ausgangspunkt:
- Prüfen Sie den abgerechneten Jahresverbrauch, den Arbeitspreis und den jährlichen Grundpreis.
- Vergleichen Sie die Gesamtkosten für denselben Verbrauch und Ihren Wohnort. Achten Sie darauf, ob ein Bonus nur im ersten Vertragsjahr gilt.
- Lesen Sie vor einem Wechsel die Bedingungen zu Laufzeit, Kündigung, Preisgarantie und Zahlungsweise.
Ein Stromtarifvergleich für Ihren Wohnort kann passende Angebote sichtbar machen. Eine angezeigte Ersparnis ist noch keine Zusage des Anbieters. Das gilt auch, wenn Sie wegen Ihrer Bonität nicht jeden Wunschtarif abschließen können. Vergleichen Sie in diesem Fall die tatsächlich verfügbaren Konditionen, ohne von einer garantierten Annahme auszugehen.
Fazit
Der vierte Platz macht das hohe deutsche Strompreisniveau im internationalen Vergleich sichtbar. Er sagt aber weder Ihren persönlichen Kilowattstundenpreis noch ein konkretes Sparpotenzial voraus. Für eine Entscheidung über den Anbieterwechsel ist der Vergleich Ihrer bisherigen Jahreskosten mit verfügbaren Tarifen aussagekräftiger.
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