28.07.2026
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Privatinsolvenz: Grundlagen, Ablauf und wichtige Informationen
Angesichts der hohen Überschuldungsrate in Deutschland – laut Daten der Auskunftei Creditreform sind fast 7 Millionen Menschen betroffen – ist die Privatinsolvenz ein wichtiger Ausweg aus der Schuldenfalle. Doch was genau bedeutet Privatinsolvenz und wie kann sie helfen? In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie alles, was Sie über den Ablauf, die Vorteile, Nachteile und Kosten einer Privatinsolvenz wissen müssen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Was ist eine Privatinsolvenz?
- 2 Wichtige gesetzliche Änderungen
- 3 Ablauf der Privatinsolvenz
- 4 1. Beratung und Vorbereitung
- 5 2. Außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
- 6 3. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
- 7 4. Eröffnung des Insolvenzverfahrens
- 8 5. Wohlverhaltensphase
- 9 6. Restschuldbefreiung
- 10 Vor- und Nachteile der Privatinsolvenz
- 11 Vorteile:
- 12 Nachteile:
- 13 Kosten einer Privatinsolvenz
- 14 Verkürzung des Insolvenzverfahrens
- 15 Fragen und Antworten zur Privatinsolvenz:
- 16 Kann ich meine Privatinsolvenz online beantragen?
- 17 Was darf ich trotz meiner Privatinsolvenz behalten?
- 18 Wonach richtet sich die Pfändungsgrenze?
- 19 Kann ich nach einer Verbraucherinsolvenz wieder Kredite aufnehmen?
- 20 Wie oft kann ich eine Privatinsolvenz anmelden?
- 21 Muss ich während meiner Privatinsolvenz Unterhalt zahlen?
- 22 Fazit
Was ist eine Privatinsolvenz?
Eine Privatinsolvenz, auch bekannt als Verbraucherinsolvenz, ist ein rechtliches Verfahren, das überschuldeten Privatpersonen die Möglichkeit bietet, sich von ihren Schulden zu befreien, selbst wenn sie diese nicht vollständig zurückzahlen können. Die Restschuldbefreiung ist das Hauptziel der Privatinsolvenz. Durch sie werden die verbleibenden Schulden nach einer bestimmten Zeitspanne gelöscht, vorausgesetzt, dass der Schuldner bestimmte Bedingungen erfüllt.
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Wichtige gesetzliche Änderungen
Mit der Reform des Insolvenzrechts, die am 1. Oktober 2020 in Kraft trat, wurden die Voraussetzungen für eine Restschuldbefreiung erheblich erleichtert. Früher dauerte das Insolvenzverfahren bis zu sechs Jahre, aber durch die Reform wurde dieser Zeitraum drastisch auf drei Jahre verkürzt. Zudem müssen Schuldner keine Mindestquote mehr zahlen oder die Verfahrenskosten innerhalb dieser drei Jahre vollständig begleichen.
Eine weitere Reform trat am 1. Januar 2021 in Kraft. Diese bestätigt die Verkürzung des Insolvenzverfahrens auf drei Jahre und ist rückwirkend für alle Verfahren seit dem 1. Oktober 2020 gültig. Dadurch haben im ersten Halbjahr 2021 knapp 46.000 Privatpersonen in Deutschland den Weg in die Privatinsolvenz gewählt, ein Anstieg von über 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ablauf der Privatinsolvenz

1. Beratung und Vorbereitung
Der erste Schritt in Richtung Privatinsolvenz besteht darin, sich von einem Schuldnerberater oder einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Dieser hilft Ihnen, einen Überblick über Ihre finanzielle Situation zu erhalten und einen Schuldenbereinigungsplan zu erstellen. Der Schuldneratlas des Statistischen Bundesamtes kann Ihnen helfen, geeignete Beratungsstellen in Ihrer Nähe zu finden.
2. Außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
Dieses Verfahren soll eine Einigung mit den Gläubigern außerhalb des Gerichts herbeiführen. Gemeinsam mit Ihrem Berater erstellen Sie einen Schuldenbereinigungsplan, der Ratenzahlungen und mögliche Schuldenerlasse umfasst. Alle Gläubiger müssen diesem Plan zustimmen, was jedoch selten der Fall ist, da oft nicht alle Gläubiger zu einem Schuldenerlass bereit sind.
3. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
Falls die außergerichtliche Einigung scheitert, beantragen Sie eine Privatinsolvenz beim Gericht. Hierzu legen Sie den Schuldenbereinigungsplan vor und erläutern die Gründe, warum die außergerichtliche Einigung nicht funktioniert hat. Das Gericht prüft dann, ob ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren möglich ist. Wenn auch dieses Verfahren scheitert, wird das Insolvenzverfahren eröffnet.
4. Eröffnung des Insolvenzverfahrens
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein Treuhänder bestimmt, der Ihr Vermögen verwertet und den pfändbaren Teil Ihres Einkommens einzieht. Zum pfändbaren Vermögen gehören alle Besitztümer, die im Rahmen einer Zwangsvollstreckung pfändbar wären. Dies umfasst grundsätzlich alle Vermögenswerte, die nicht durch gesetzliche Pfändungsschutzvorschriften geschützt sind.
5. Wohlverhaltensphase
Während dieser Phase, die drei Jahre dauert, müssen Sie den pfändbaren Anteil Ihres Einkommens an den Treuhänder abtreten. Es ist von größter Bedeutung, dass Sie während dieser Zeit keine neuen Schulden machen und Ihren Pflichten nachkommen. Sollten Sie im Laufe der Wohlverhaltensphase neue, unangemessene Schulden anhäufen, könnte das Gericht die Restschuldbefreiung verweigern.
6. Restschuldbefreiung
Nach Ablauf der Wohlverhaltensphase entscheidet das Insolvenzgericht über die Erteilung der Restschuldbefreiung. Wenn Sie alle Verpflichtungen erfüllt haben und keine Versagungsgründe vorliegen, werden Sie von Ihren verbleibenden Schulden befreit.
Vor- und Nachteile der Privatinsolvenz
Vorteile:
- Erleichterung von Schulden:
Bereits nach drei Jahren können Sie schuldenfrei sein. - Keine Pfändungen und Gerichtsvollzieherbesuche:
Während des Insolvenzverfahrens sind Pfändungen nicht mehr möglich, da Ihr Vermögen und Ihre Schulden vom Treuhänder verwaltet werden. - Existenzminimum gesichert:
Durch die Pfändungsfreigrenze bleibt Ihnen ein bestimmter Betrag zum Leben, der nicht gepfändet werden kann. - Neustart:
Nach der Restschuldbefreiung können Sie finanziell von vorne beginnen und sind nicht mehr an Ihre alten Schulden gebunden.
Nachteile:
- Einschränkungen:
Kreditkarten, Dispokredite oder Ratenkäufe sind während der Wohlverhaltensphase nicht möglich. - Negativer SCHUFA-Eintrag:
Einträge zur Insolvenz bleiben noch drei Jahre nach der Restschuldbefreiung bestehen, was die Kreditwürdigkeit beeinträchtigt. - Hohe Kosten:
Es fallen Gerichtskosten sowie Kosten für den Treuhänder und mögliche Beratungskosten an. - Öffentlichkeit:
Ihr Arbeitgeber und eventuell auch andere Personen könnten von Ihrer Insolvenz erfahren, was Ihre berufliche und persönliche Situation beeinträchtigen könnte.
Kosten einer Privatinsolvenz
Die Kosten einer Privatinsolvenz setzten sich aus Gerichtskosten, den Kosten für den Treuhänder und gegebenenfalls den Beratungskosten für Schuldnerberater oder Anwälte zusammen. Die Verfahrenskosten richten sich nach der Höhe der Insolvenzmasse und können entweder gestundet oder in Raten bezahlt werden.
- Gerichtskosten und Treuhänder:
Diese variieren je nach Vermögen und Einkommen des Schuldners. Wenn Sie kein pfändbares Vermögen und geringes Einkommen haben, müssen Sie mit einer Mindestgebühr von etwa 2.000 Euro rechnen. - Beratungskosten:
Kostenpflichtige Beratungsdienste können in Anspruch genommen werden, wobei ein Antrag auf Bewilligung von Beratungshilfe die Kosten decken kann. Kostenlose Beratungsangebote sind ebenfalls verfügbar.
Verkürzung des Insolvenzverfahrens
Mit den Reformen des Insolvenzrechts können Verfahren, die vor dem 1. Oktober 2020 eröffnet wurden, möglicherweise verkürzt werden:
- Auf 5 Jahre:
Wenn Sie die Verfahrenskosten innerhalb von fünf Jahren begleichen, kann das Verfahren um ein Jahr verkürzt werden. - Auf 3 Jahre:
Wenn Sie zusätzlich 35 Prozent der Schulden innerhalb dieser drei Jahre zurückzahlen, kann das Verfahren auf drei Jahre verkürzt werden.
Ein Insolvenzplan kann das Verfahren sogar auf 4 bis 12 Monate verkürzen, wenn ein einmaliger größerer Betrag durch einen Sponsor, z.B. ein Familienmitglied, bereitgestellt wird.
Fragen und Antworten zur Privatinsolvenz:
Kann ich meine Privatinsolvenz online beantragen?
Nein, der Antrag muss per Post oder persönlich eingereicht werden. Sie können die Antragsformulare aber online herunterladen.
Was darf ich trotz meiner Privatinsolvenz behalten?
Möbel, Kleidung und Haushaltsgegenstände sind geschützt. Ein Fahrzeug darf gewöhnlich behalten werden, wenn es für die Berufsausübung notwendig ist.
Wonach richtet sich die Pfändungsgrenze?
Diese richtet sich nach Ihrem monatlichen Nettoeinkommen und der Anzahl der unterhaltsberechtigten Personen.
Kann ich nach einer Verbraucherinsolvenz wieder Kredite aufnehmen?
Nach der Insolvenz und bei geregeltem Einkommen können Sie eventuell wieder kleinere Kredite aufnehmen. Bei größeren Krediten wie für Immobilien sind die Banken jedoch sehr vorsichtig.
Wie oft kann ich eine Privatinsolvenz anmelden?
Es gibt keine festgelegte Höchstanzahl, aber bei wiederholten Insolvenzen gibt es Einschränkungen.
Muss ich während meiner Privatinsolvenz Unterhalt zahlen?
Unterhaltsschulden bleiben bestehen und werden nicht durch die Restschuldbefreiung gedeckt.
Fazit
Die Privatinsolvenz ist ein hilfreicher Ausweg für überschuldete Personen, bietet ihnen die Möglichkeit eines finanziellen Neuanfangs, erfordert jedoch sorgfältige Überlegung und umfassende Beratung. Die Reformen des Insolvenzrechts haben das Verfahren entscheidend verkürzt und erleichtert, wodurch es für viele Menschen zu einer realistischen und sinnvollen Option geworden ist. Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, können Betroffene nach drei Jahren schuldenfrei in ein neues Leben starten.


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